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Nachwort für Eltern

Falls Sie erschrocken sind über die Menge der Rechtschreibfehler Ihres Kindes und nicht sicher sind, wie sie damit umgehen sollen, lassen Sie sich beruhigen: Ihr Kind ist normal und zeigt keine besondere Auffälligkeit.
Rechtschreibfehler sind nicht Ausdruck eines Mangels Ihres Kindes. Sie sind systembedingt, also verantwortet durch die Schule, und teils auch Ausdruck eines Reifeprozesses bei Ihrem Kind, der noch nicht abgeschlossen ist.
Dieser Reifeprozess, der sich unter der richtigen Anleitung schneller vollziehen würde, wird heute leider verlangsamt und gestört. Gestört ist die Intuition, die die richtige Schreibung ausmacht, wegen der falschen Anweisungen, die die Kinder zum Schreiben bekommen.
Das ist keine Schuld der Lehrer; sie sind nur Ausführende eines falsch orientierten Systems zur Rechtschreibung. Sie sind selbst frustriert darüber, dass es in der Rechtschreibung so wenig Erfolge und so schrecklich viele Fehler gibt.
Wichtig für Sie als Eltern ist: Viele Kinder schreiben viel falsch. Wenige lernen es nie. Meist beherrschen die Schüler irgendwann das Schreiben, auch wenn es bis Klasse 10 oder 12 braucht. Die meisten Fehler schleifen sich ab.
Das gilt auch für LRS-Schüler, deren Wortbildung durcheinandergeraten ist. Ich kenne fast keinen Fall, wo nicht in Klasse 10 das Wesentliche klappte, wobei ich meine Erfahrungen aus 15 Jahren Realschule beziehe. Voraussetzung ist allerdings Unterstützung, und dazu muss man manchmal das Chaos in Ruhe lassen, damit es sich setzen kann. Die Schüler brauchen Zuspruch, weil ihr Frust und die Verunsicherung groß sind.
Voraussetzung ist aber auch, dass die Schüler weiter an ihrer Rechtschreibung arbeiten. Sie müssen sich bemühen, sorgfältig zu schreiben und flüssig zu lesen. Ganz von selbst geht es nicht.
In der folgenden Gliederung sind Fehlertypen gelistet. Sie können, wenn Sie möchten, versuchen einzuschätzen, auf welcher Stufe sich Ihr Kind hauptsächlich befindet. Hat ihr Kind erst einmal die Stufe 4 erreicht, ist der Weitere kein Problem mehr. Mit etwas Übung und den richtigen Erklärungen klappt es bald. Nur wenn ein Schüler auf dieser Stufe nichts mehr tut, schleppt er noch Fehler mit sich, vielleicht lebenslang.
Schwierig ist die Überwindung der Stufen 1 bis 3. Die hier gezeigten Fehlerformen hängen mit der Art und Weise zusammen, wie in der Grundschule das Schreiben beigebracht wird, nämlich mit der konstruierenden Methode auf der Basis von Lauten.
Auf dem Weg zum kompetenten Schreiber müssen die Schüler diesen Weg verlassen, aber sie sind darauf geprägt. Statt zu konstruieren müssen sich einen schriftlichen Wortschatz anarbeiten, den sie abrufen können. Sie müssen falsch vermerkte Worte durch die richtigen ersetzen. Dieser Richtungswechsel im Großen und im Kleinen dauert seine Zeit.

Fehlerstufen

1. Bei der Wortbildung wird lautlich vorgegangen und konstruiert, der Schrei¬ber kennt das schriftliche Wort nicht und probiert eine Möglichkeit aus; beim nächsten Mal nimmt er vielleicht eine andere Möglichkeit. So entstehen mehrere Varianten auf das Schriftwort, das so mehrfach falsch geschrieben werden kann.
2. Eigentlich kennt der Schreiber die richtige Schreibweise eines Wortes, aber er fällt zurück in die Schreibweise der Lautabbildung, wenn er zu lebhaft mit anderen Dingen beschäftigt ist oder unter Stress.

Für 1. und 2. gilt: Besonders fehlerhaft sind die Schreibweisen von grammatischen Formen, denn die schriftlichen Übertragungen sind den Schülern nicht klar und in ihrer Bildeweise auch nicht verstanden. Die Verschriftlichung ist von Unsicherheit geprägt. Es findet eine Durchmischung der Prinzipen statt: Vollwortschreibung mit Vokalmarkierung gegen die Schreibung von grammatischen Wörtern und Nachsilben ohne Markierung (dehn für den oder renen für rennen)

3. Das Wort ist im Laufe des Prozesses von der Laut- zur Regelschreibung als Schriftbild im Gedächtnis verankert worden und wird nun regelmäßig auf die gleiche Weise falsch geschrieben, z. B. nac für nach (Chiffrefehler), nästes für nächstes – (Schriftformfehler), rent für rennt (Wortstammfehler).
4. Das Grundwort wird richtig konstruiert, aber bei der Zusammensetzung mit Vor- und Nachsilben gibt es Probleme (ausuchen, Hindernise). Das betrifft auch die Groß- und Kleinschreibung (beerdigung, versuch).
5. Das Wort ist richtig konstruiert und vermerkt worden. Es tritt richtig mit Vor- und Nachsilben und in grammatischen Formen auf. Es hapert aber noch an der Großschreibung von Wörtern, die variabel sind, also groß oder kleingeschrieben werden können, je nach Verwendung (rennen/ Rennen) oder von Wörtern, die vom Gefühl her kleingeschrieben werden, weil sie noch nicht als volle Nomen wahrgenommen werden (angst statt Angst).
6. Gearbeitet werden muss noch an der Zeichensetzung, den Satzgrenzen und den Absätzen im Text. Auch treten noch Probleme beim Auseinander- und Zusammenschreiben von Wortfügungen auf, bei abstrakteren Nominalisierungen oder einzelnen Regeln zur Großschreibung und bei schwierigen Wortunterscheidungen wie tot/Tod, das/dass usw.

Die richtige Schreibweise ist das Produkt einer komplexen Durchgliederung des Wortes und des Wortschatzes im Deutschen. Die Regeln der Wortbildung sind schwierig, nicht einfach, ihre Umsetzung wird durch Ausnahmen verunsichert.
Sicherheit gewinnt Ihr Kind durch Schreibweisen, die es kennt. Geben Sie ihm also richtige Schreibweisen. Gewöhnen sie es daran, dass es einmal richtig geschriebene Worte wieder richtig schreibt. Fangen sie klein an!
Schreiben sie keine Diktate! Beschäftigen sie sich nicht mit einer Vielzahl von Fehlern! Beschränken sie sich auf den Wortstamm, einfache Worte, einfache Zusammensetzungen, einfache Großschreibungen, einfache Vor- und Nachsilben. Weniger ist mehr! Lassen sie den Rest auf sich beruhen!
Geben Sie keine allgemeinen Regeln, denn das hat die Schule vergeblich versucht.
Anhand von richtigen Schreibungen bildet der Schreibende selbst Regeln und Unterscheidungen aus. Sein Gefühl versteht, wie bestimmte Formen zusammenpassen und warum sich andere unterscheiden. Sein Auge lernt die Gestalt von Worten kennen. Er erinnert sich.

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19.07.2019 - 18:55:49 | Warum Lautschreibung nicht funktioniert